Pink Portraits - Eszter und die Upcycling Ledermanufaktur

Pink Portraits -iwee

1.     Wer bist Du und was machst Du Spannendes?

Ich heiße Eszter Facsar und stelle seit einigen Jahren Taschen und Lederaccessoires aus gebrauchtem Leder her. Ich habe das Label iwee – ich war einmal ein… upcycling Ledermanufaktur nebenberuflich gegründet. Da ich die Täschnerei nicht gelernt habe, bringe ich mir das Handwerk selber bei und entwickele meine eigenen Techniken. Ich bin eine Quereinsteigerin: Zwar konnte ich schon sehr lange nähen, das Verarbeiten von Leder erfordert aber ganz andere Techniken und Maschinen. Eines Tages hat mich die Idee eingeholt, dass ich aus alten Ledersofas, die dem Sperrmüll geweiht waren, tolle Taschen machen könnte. So entstanden die Sofataschen.

Fotoquelle: Eszter Facsar

2.     Wo arbeitest Du?

Ich arbeite in einem ehemaligen Pferdestall eines Bauernhofs am Rande von Köln. Leider werde ich in den nächsten Monaten umziehen, da die Bedingungen da zwar sehr romantisch sind (Kaminfeuer, Landwirtschaftsbetrieb) aber nicht sehr ideal. Ich werde meine Werkstatt zu Hause unterbringen. Mit Blick in unseren wunderschönen Garten.

 

3.    Mit welchen Materialien arbeitest Du?

Fotoquelle: Eszter Facsar

Ich“ jage“ und zerlege alte Ledersofas und Lederbekleidung und mache daraus meine Produkte. Außer des Leders der Sofas kann ich oft auch die Vlieseline (Wattierstoff) bei einigen Modellen verwenden, das unter dem Leder der Polsterung dient. Das Innenfutter, die Metallbeschläge und Reißverschlüsse kaufe ich in Deutschland und in meiner Heimat Ungarn dazu.

 

4.     Was ist wohl das Ungewöhnlichste/Lustigste an Dir und Deiner Arbeit?

Das Ungewöhnlichste und oft Lustigste oder manchmal auch Skurrile an meiner Arbeit ist das Einsammeln der Sofas. Die Sofas werden meist verschenkt. Entweder sind die Besitzer wehmütig, dass sie ein lang geliebtes Teil weggeben oder sie freuen sich, dass sie es nicht selber entsorgen müssen. Oder sie sind sehr begeistert dass die Teile noch ein zweites Leben haben werden. Manchmal wollen sie mir ihr ganzes Haus zeigen.

 

5.     Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit in deinem Leben?

Ich bin in Ungarn aufgewachsen zur Zeiten des Sozialismus: Wir hatten das Nötigste aber oft nicht mehr. So haben wir sehr viel genäht, Stoffe und andere Materialien wiederverwendet, alles was ging repariert und sind auf viele kreative Ideen gekommen.

Das habe ich bis heute verinnerlicht: Wegwerfen ist nicht die erste Option, ich versuche vieles zu reparieren bzw. (reparieren zu lassen) und selber zu machen. Natürlich kaufen wir auch neue Sachen, aber es macht viel mehr Spaß, Sachen auf dem Flohmarkt, im Sperrmüll oder in Gebrauchtanzeigen/-läden zu entdecken. Wir haben viele Möbel, die unsere Großeltern in ihren jungen Jahren schon besessen haben oder die wir vor dem Verfall retten konnten. Es ist toll, wenn Gegenstände eine Geschichte haben und schön aufgearbeitet werden.

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Ich versuche immer mehr in Bioläden einzukaufen: Dort ist vieles was Obst und Gemüse anbetrifft nicht in Plastik eingepackt. Ich nehme eigene Papiertüten oder Plastiktüten mit, diese sind lange Zeit wiederverwendbar. Bäckereien tun mittlerweile ihre Backwaren in deinen Jutebeutel, keine 5 Papiertüten, die du gleich wegschmeißt. An der Theke zu bestellen ist meist mit weniger Verpackung verbunden. Läden ohne Verpackung sind im Kommen. Fahrrad, Bus- und Bahn versuche ich Auto und Fliegen gegenüber zu nutzen. Das macht mein Leben langsamer, aber das finde ich wunderbar. Mehr „Sharing“ von selten genutzten Geräten fände ich auch super. Ich muss nicht alles besitzen. Und Urlaub im eigenen Garten: Perfekt, ich liebe mein Zuhause.

Wir wissen viel, was nicht gut für unser Planet ist, tun aber sehr wenig. Das Konsumverhalten „Geiz ist geil“ ist wie ein Hohn der Wertschöpfung. Bezahlen dafür tun die Umwelt, die Tiere und Menschen in Niedriglohnländer.

iwee ist mein Statement gegen Verschwendung und Wegwerfökonomie für mehr nachhaltige Kreativität im Leben.

Meine Empfehlungen:

Film: http://grandfilm.de/the-true-cost-der-preis-der-mode%E2%80%A8/

Website: www.utopia.de hier finden sich viele nützliche Informationen zum Thema Nachhaltigkeit

Zeitschrift: Das Magazin Enorm für den gesellschaftlichen Wandel

6.     Welche Rolle spielt Gleichberechtigung in Deinem Leben?

Gleichberechtigung ist für mich, wenn (Ehe)Partner gemeinsam über das Lebens- oder Familienmodell entscheiden, in dem sie leben. Und zwar immer wieder aufs Neue, weil das Leben sehr dynamisch sein kann. Vor den Kindern hatte ich eine gleichberechtigte Beziehung. Seitdem wir Kinder haben, beschäftigt mich dieses Thema sehr stark, da ich den Großteil der Kindererziehung und Haushalt übernehme. In den ersten Jahren habe ich das mit Hilfe von Au-pairs gelöst, da ich eine Woche unterwegs und eine Woche zu Hause war in meinem Job. Mein Mann ist während der Woche viel unterwegs und stark in seine Arbeit eingebunden. Die Aufteilung gibt uns die finanzielle Sicherheit, aber sorgt auch für Spannungen. Ich arbeite selber sehr gerne.

Die Selbständigkeit hat mir mehr Freiräume gegeben, da ich mein Büro zu Hause habe. Die Gründung der Lederwerkstatt hat dann auch noch unsere Kinder fasziniert. Sie helfen mir viel bei Designentscheidungen, Fotografieren, bei den sozialen Medien oder kreieren auch mal eigene Produkte. Diese Unterstützung macht es mir leichter, meine Rollenvielfalt zu leben.

Hilfreich finde ich hier einen Blick aus der Sicht der Familientherapie, da alle Mitglieder einer Familie von guten Lösungen profitieren: z.B. Jesper Juul www.familylab.de

Quelle: Eszter Facsar

7.     Wo kann man mehr über dich und deine Arbeit erfahren?

Internet: www.iwee.koeln

Instagram: www.instagram.com/iwee_ledermanufaktur/

Facebook: www.facebook.com/iwee.upcycling.Ledermanufaktur/

 

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